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6005. Die Tanzklasse
ALISON HOKANSON: Dieses Gemälde von Edgar Degas hat den Titel „Die Tanzklasse“. Ballettszenen gehören zu seinen beliebtesten Motiven.
KEITH CHRISTIANSEN: Im Mittelpunkt der Komposition steht die junge Tänzerin in der Mitte. Sie trägt eine rosafarbene Schärpe. Sie führt gerade eine Attitude für ihre Prüfung aus. Dabei wird sie von dem berühmten Ballettmeister Jules Perrot, rechts, genau beobachtet. Um sie herum scharen sich viele weitere Ballerinas mit ihren Müttern. Alison Hokanson, von der Abteilung Europäische Malerei.
ALISON HOKANSON: Es ist auffällig, dass alle restlichen Figuren kaum Notiz von der Tänzerin in der Mitte nehmen und völlig sich selbst hingegeben sind. Beachten Sie vor allem das Mädchen links, vor dem Spiegel. Sie starrt ins Leere und sieht aus, als ob sie angesichts ihrer bevorstehenden Prüfung vor Nervosität an ihren Fingernägeln kauen würde.
KEITH CHRISTIANSEN: Degas war für seinen objektiven Blick bekannt. Er konnte handfeste Kompositionen erzeugen, die frei von jeder Sentimentalität sind. Darum ist er auch so bedeutend für die Moderne – und ein absolut hervorragender Künstler. Er ist durch und durch Beobachter.
ALISON HOKANSON: Was bei diesem Gemälde besonders auffällt, ist die nach oben gekippte Perspektive, die den Blick des Betrachters in die Szene hinein und auch wieder hinaus führt. Wir wissen, dass Degas zu diesem Zweck die Figuren im Vordergrund änderte und die Tänzerin im Mittelpunkt verlagerte. Dadurch erzielte er eine lange, geschwungene Kurve mit Ballerinas, die fast wie bei einer musikalischen Kadenz eine Verbindungslinie zwischen Hintergrund und Vordergrund bilden.